Die Zukunft kommt aus zweiter Hand bei Familie Harrer
Die Milchwirtschaft der Familie Harrer ist in den letzten Jahren kräftig
gewachsen. Damit der Zeitaufwand nicht ausufert, plante die Familie
den Schritt ins automatische Melken. Die Kuhzahl stellte sie dabei aber vor
eine Herausforderung. Die Lösung kam mit aufbereiteten Robotern von Lely.
In dem von der mächtigen Riegersburg geprägten Marktflecken in der Südoststeiermark gibt es viel Landwirtschaft: Obst, Wein, Schweine, Geflügel und nicht zuletzt sogar Schokolade (Zotter!) werden in der Gemeinde produziert. Auch Milch hat immer zu einem klassischen Bauernhof gehört. Mit dem Strukturwandel ist die Zahl der Produzenten aber stark zurückgegangen – und die wenigen verbliebenen sind dementsprechend gewachsen. Dass in einer Gunstlage mit bis zu sechs Schnitten produziert werden kann, hat die Expansion der Milchviehbetriebe angetrieben. So auch bei der Familie Harrer, wo 2010 für 55 Kühe neu gebaut worden war und jüngst mit zusätzlichen Liegeboxen nochmals auf 80 Köpfe aufgestockt wurde. „Wir wollten immer 40 Stück haben, aber es hat sich ergeben, dass wir mehr Flächen pachten und damit mehr Rinder halten konnten“, erzählt Helmut Harrer.
An seine Grenzen und darüber hinaus geriet mit dem Wachstum der 7-er Swing-Over-Melkstand, der zuvor gute Dienste geleistet hatte. „Der Arbeitsaufwand stand in keinem Verhältnis mehr“, unterstreicht Ingrid Harrer. Es sei fast nicht mehr möglich gewesen, auf Urlaub zu fahren und Sohn Roman die Stallarbeit zu überlassen, weil einer allein überfordert gewesen wäre. Den Bauersleuten schwebte daher die Installation eines Melkroboters vor. „Mittlerweile haben einige Kollegen in der Region so etwas. Wir wussten also, dass irgendwann auch wir umstellen werden.“
Alleine: Die nun erreichte Anzahl der Milchkühe erschwerte die Entscheidung. „Je nachdem, wen man fragt, liegt die absolute Obergrenze für die Auslastung zwischen 70 und 80 Tieren", erklärte Helmut Harrer. Dann könne aber bereits die Milchleistung und die Gesundheit der Kühe leiden, weil sie nicht mehr dann melken gehen können, wann es ihnen die Natur vorgeben würde. Auch ein kurzzeitiger Ausfall des Systems hätte bereits zu einem schwer aufholbaren Rückstau geführt. „Wir wollten nicht dauernd unter Strom stehen“, so der Milchbauer. Zwei neue automatische Melksysteme wären bei Harrers aber wirtschaftlich schwer darstellbar gewesen. Das Dilemma: „Für einen zu viel, für zwei zu wenig.“
Der Heureka-Moment kam, als ein Lely-Servicetechniker davon erzählte, dass seine Firma auch Roboter aus zweiter Hand anbietet. Juniorlandwirt Roman Harrer erzählt, dass das Gefühl von Anfang an gut war, zumal schon ein Lely Juno-Futterschieberoboter und ein Lely Discovery-Stallreiniger gute Dienste am Hof leisteten. Die Entscheidung wird die Zukunft des Familienbetriebes maßgeblich beeinflussen. „Wir haben uns dazu entschlossen, zwei wiederaufbereitete Astronaut A4 anzuschaffen. Das gesamte Umfeld, vom Steuerungscomputer über die Vakuumpumpen bis hin zur Zentraleinheit ist neu.“ Nur die Melkboxen sind an die zehn Jahre alt, wurden aber im Hause Lely aufbereitet und alle Verschleißteile gewechselt. Wenn die Familie also irgendwann einmal auf das derzeit aktuelle Modell A5 wechseln will, kann dieses problemlos in das bestehende Umfeld integriert werden, da vollkommene Kompatibilität besteht. „Auf Sicht hoffen wir aber, dass wir lange mit der jetzigen Lösung durchkommen“, sagt Roman Harrer.
Die beiden Melkroboter sind mit der Herde aktuell zu rund 65 Prozent ausgelastet und müssen nicht an der Leistungsgrenze gefahren werden. „Die Kühe marschieren durch einen Gang zum Melkstand und können sich dann aussuchen, ob sie links oder rechts gehen. Manche bevorzugen eine Box, anderen ist es ganz egal“, meint Ingrid Harrer. Mittlerweile hätten sich auch alle Tiere an die große Veränderung im Stall gewöhnt. Der erste Tag war aber eine Herausforderung: „In der Früh haben wir das alte System herausgenommen und am Abend standen schon die Roboter da. Möglich war das nur dank des enormen Einsatzes der gesamten Lely-Mannschaft.“ Deren Versprechen, dass sich die Geräte bald bewähren werden, hätten sich bewahrheitet. Zwar mussten die Tiere zunächst einzeln hineingetrieben werden und die ersten Wochen seien zugegebenermaßen ein Stress gewesen. Mittlerweile zeigen sich aber die Vorteile des automatischen Melkens.
„Jetzt sind wir absolut davon überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.“
Quelle: Unserhof Ausgabe 1/2025