Digitalisierung mit Augenmaß: Großer Zuspruch bei den Digitalisierungstagen in Pitzelstätten
Am 25. Februar und am 27. Februar 2026 stand die HBLA Pitzelstätten ganz im Zeichen der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Rund 100 Schülerinnen und Schüler sowie über 70 Bäuerinnen, Bauern und Interessierte aus der Branche nahmen an den beiden Veranstaltungstagen teil, die von der Innovation Farm gemeinsam mit der HBLA Pitzelstätten, der Landwirtschaftskammer Kärnten und dem LFI Kärnten organisiert wurden.
Ziel war es, das Thema Digitalisierung realistisch und kritisch zu beleuchten und dabei ohne Technikhype um jeden Preis, aber auch ohne pauschale Ablehnung.
Digitalisierung muss zum Betrieb passen
Zum Auftakt stellte Fabian Butzenlechner (Josephinum Research) die Frage, wie gut digitale Lösungen zu den Strukturen der Kärntner Landwirtschaft passen. Kleinstrukturierte Betriebe, Grünlandregionen und Familienarbeitskräfte erfordern differenzierte Herangehensweisen. Digitalisierung dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse sich an Arbeitswirtschaft, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit messen lassen.
Edina Scherzer (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) zeigte in ihrem Vortrag auf, dass zahlreiche Betriebe bereits auf einen Melkroboter setzen und dieser durchaus arbeitserleichternd sein kann durch flexiblere Arbeitszeiten und mehr Informationen zur Tiergesundheit. Das trifft jedoch nur zu, wenn der Betriebsführer oder die Betriebsführerin sich mit der Technologie auseinandersetzt und sich damit beschäftigt.
Grundlagen vor Hightech
In den anschließenden Wahlmodulen wurden die Inhalte vertieft. Dabei nahm Florian Schmeisser, gebürtiger Wolfsberger und Mitarbeiter der Innovation Farm in Wieselburg, eine zentrale Rolle ein.
Er machte deutlich, dass digitale Technologien im Düngemanagement nur dann wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden können, wenn grundlegende pflanzenbauliche Managementmaßnahmen beherrscht werden. Bodenkenntnis, regelmäßige Bodenuntersuchungen, passende Fruchtfolgen, Analyse der eigenen Güllezusammensetzung sowie eine saubere Bestandesführung seien die Basis für jeden erfolgreichen Einsatz von sensorgestützter oder teilflächenspezifischer Düngung.
Sein klares Fazit: Wer die pflanzenbaulichen Grundlagen nicht im Griff hat, wird auch mit modernster Technik keine nachhaltigen Erfolge erzielen.
Samuel Muttenthaler (Josephinum Research) präsentierte im Grünlandbereich Innovationen wie automatische Ampferbekämpfung und Entwicklungen bei teilautonomen Arbeitsgeräten. Alfred Pöllinger (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) widmete sich dem Datenmanagement im Stall und zeigte, wie digitale Informationen sinnvoll gefiltert und praxisgerecht genutzt werden können, ohne in einer Datenflut unterzugehen.
Technik zum Anfassen
Am Nachmittag bot ein umfangreicher Stationenbetrieb Einblicke in die Praxis. Vertreten waren DeLaval, Lely und Smaxtec im Bereich Stalltechnik und Herdenmanagement. Der Maschinenring Kärnten demonstrierte eine Smartantenne für präzise Anwendungen im Feld. Die Firmen Blickwinkel und TerraInnovation präsentierten Lenksystem-Nachrüstlösungen, während die regionalen Landtechnikhändler Zankl und Stumpf moderne Techniklösungen vorstellten. Die Firma Rapid zeigte einen teilautonomen Motormäher.
Sachliche Diskussion trifft Bedarf
Die Digitalisierungstage machten deutlich: Digitalisierung ist ein Werkzeug und kein Allheilmittel. Entscheidend ist, ob sie wirtschaftlich tragfähig ist und zur jeweiligen Betriebsstruktur passt.
Die positive Resonanz von Schülerinnen und Schülern sowie Landwirtinnen und Landwirten zeigt, dass eine sachliche und praxisnahe Auseinandersetzung mit dem Thema auf großes Interesse stößt.


