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Wasser: Das meist unterschätzte Futtermittel im Milchviehstall

Wie Wasserqualität und Tränkemanagement die Gesundheit und Leistung von Milchkühen beeinflussen
13. Juli 2026 durch
Wasser: Das meist unterschätzte Futtermittel im Milchviehstall
Pickl Lisa

Wasser ist das wichtigste Futtermittel im Milchviehstall – und gleichzeitig eines der meist unterschätzten. Während viel Aufwand in die Optimierung der Fütterung investiert wird, geraten Tränken, Wasserqualität und Wasserversorgung im Alltag oft in den Hintergrund. Dabei entscheidet genau dieser Bereich maßgeblich über Futteraufnahme, Tiergesundheit und Milchleistung.

Eine Milchkuh kann je nach Leistung, Außentemperatur und Fütterung täglich zwischen 70 und 180 Liter Wasser aufnehmen. Je höher die Milchleistung, desto höher auch der Wasserbedarf. Bereits kleine Einschränkungen bei der Wasseraufnahme wirken sich direkt auf die Futteraufnahme und damit auf die Leistung aus.

Mehr Leistung braucht mehr Wasser

Futter und Wasser sind eng miteinander verbunden. Für jedes Kilogramm aufgenommene Trockenmasse benötigt eine Kuh rund 4,5 Liter Wasser. Steigt die Milchleistung um nur ein Kilogramm, erhöht sich der Wasserbedarf bereits deutlich. Auch hohe Temperaturen treiben den Verbrauch nach oben.

Kann die Kuh nicht ausreichend trinken, sinkt die Futteraufnahme. In weiterer Folge leiden Milchleistung, Stoffwechsel und Tiergesundheit. Besonders in heißen Sommermonaten wird eine ausreichende Wasserversorgung deshalb zum entscheidenden Leistungsfaktor.

Kühe trinken anders als viele denken

Die Kuh ist ein Saugtrinker. Sie nimmt Wasser bevorzugt über eine freie Wasseroberfläche auf und möchte dabei große Schlucke in kurzer Zeit trinken können. Deshalb werden offene Trogtränken meist besser angenommen als Nippel- oder Balltränken. 

Innerhalb weniger als einer Minute kann eine Kuh bis zu 20 Liter Wasser aufnehmen – allerdings nur, wenn genügend Wasser nachfließt, die Tränke richtig montiert ist, und keine Konkurrenz an der Tränke entsteht. Ist der Wassernachfluss zu gering oder die Tränke ungünstig angebracht, können Kühe ihren Bedarf oft nicht decken.

Ein häufig unterschätztes Problem ist die soziale Rangordnung in der Herde. Hochrangige Tiere verdrängen schwächere Kühe oft aktiv von der Tränke. Dadurch trinken manche Tiere zu wenig, obwohl eigentlich ausreichend Wasser vorhanden wäre.

Deshalb sind nicht nur Wasserqualität und Wassermenge entscheidend, sondern auch die Anzahl und Zugänglichkeit der Tränken. Besonders große Herden benötigen ausreichend Platz und mehrere gut erreichbare Tränkestellen.

Trockensteher und Kälber nicht vergessen

Nicht nur Hochleistungskühe haben einen hohen Wasserbedarf. Auch trockenstehende Kühe benötigen täglich große Mengen Wasser. Wird dieser Bedarf unterschätzt, sinkt häufig die Futteraufnahme – mit negativen Folgen für die Zeit nach der Abkalbung.

Auch Kälber sollten möglichst früh Zugang zu Wasser haben. Das unterstützt die Entwicklung des Pansens, fördert die Festfutteraufnahme und hilft bei hohen Temperaturen.

Fazit

Wasser als Schlüssel zur Tiergesundheit

Eine ausreichende und qualitativ hochwertige Wasserversorgung ist weit mehr als nur die Basis für eine hohe Milchleistung – sie ist ein entscheidender Baustein für die Gesundheit der gesamten Herde. Nur wenn Kühe jederzeit uneingeschränkten Zugang zu sauberem, frischem Wasser haben, können Stoffwechsel, Verdauung, Thermoregulation und das Immunsystem optimal funktionieren. 

Bereits eine verminderte Wasseraufnahme kann sich negativ auf die Futteraufnahme, das Wohlbefinden und letztlich auf die Tiergesundheit auswirken. 

Deshalb gilt: Wer in eine gute Wasserversorgung investiert, investiert direkt in gesunde, leistungsfähige Kühe und schafft die Grundlage für einen nachhaltig erfolgreichen Milchviehbetrieb.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Kühe genug Wasser haben, sondern ob sie jederzeit gerne und ausreichend trinken können.